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aus dem indischen Studentenalltag

Hier ein paar Eindrücke aus meinem Alltag an der Uni und im Wohnheim:

Im Wohnheim ist eigentlich immer jemand wach. Nachts zwischen 12 und 2 Uhr auf einem laut Musik zu hören (dass man meint direkt neben dem Lautsprecher zu stehen) oder schreiende Leute zu hören ist hier ganz normal. Man wird ab und zu auch mal morgens mit house oder techno Tönen aufgeweckt. Was wir eine gute Erziehung nennen (und ein Mindestmaß an Rücksicht auf andere zu haben) scheint den Indern zu fehlen, aber sie auch unter einander nicht groß zu stören.

Eines der beliebtesten Sprüche-T-Shirt (und davon findet man hier einige) lautet "Deadlines are sacrosant" (was so viel heißt wie Firsten sind hochheilig). Das Ganze ist aber eher ironisch gemeint. Wenn der Dozent hier einen bestimmten Tag zur Abgabe einer bestimmten Arbeit oder dem Halten einer Präsentation nennt, dann heißt das meistens, dass man auch noch ein oder zwei Tge später seine Arbeit abgeben kann ohne dafür groß eine Bestrafung fürchten zu müssen.

Gruppenarbeiten können hier eine recht negative Erfahrung sein, aber auch ganz gute Ergebnisse bringen (je nach Engagement der Beteiligten). Der Fokus ist allerdings etwas anders hier. Präsentationen haben meistens keine Gliederung oder offentsichtliche Struktur und die Konzetration liegt eher auf einzelnen Punkten und der Zusammenhang ist nicht immer offensichtlich. Im Vordergrund steht eher der Fluss, was sich auch gut an der schnellen Sprache der Inder festhalten lässt, die meistens Wörter verschluckt oder nur halb ausspricht (was es etwas schwierig macht dem Argument zu folgen).

Die Qualität der Präsentationen - vom Inhalt und von der Art der Vortragenden - ist nicht sehr hoch, was allerdings auch daran liegen kann, dass die Noten für die indischen Studenten nun nicht mehr sehr wichtig sind. Die Bewerbungen für die placement (Vergabe der Festanstellungen nach dem Studium) läuft bereits.

Insgesamt ist das System hier sehr leistungsbezogen (noch stärker als in Mannheim) und es herrscht ein großer Wettbewerb unter den Studenten. In einem Land mit 1,3 Mrd Einwohnern gibt es im Prinzip nie genug Arbeitsplätze und die Konkurrenz ist massig. Das führt dann auch schon einmal dazu, dass in Fächern mit mündlicher Mitarbeitsnote (ja ein bisschen wie in der Schule) eher die Quanität als die Qualität im Vordergrund steht. Oft werden nur halbgeraten Stichwörter in den Raum geworfen um den Anschein zu ergeben etwas zu wissen.

Die Studenten hier gehören aber eindeutig zu den begabtesten und intelligentesten im Land. Das ergibt dann oft auch gute Diskussionen und Einfälle.

Der Unialltag wäre auch nichts ohne die vielen Unterschriften, die man abgeben muss. Zum Einen muss man in jedem Kurs seine Anwesenheit durch eine Unterschrift bezeugen, da man nur eine bestimmte Anzahl an Vorlesungen verpassen darf. Zum anderen gibt es für alles Bücher. Wenn man den Campus verlässt muss man sich mit Name, Nummer, Handynummer, Zimmernummer, Ort und Grund für das Verlassen austragen. Es gibt ein STEP Register, in dem sich die Ausstauschstudenten zu Beginn und nun zum Ende des Semesters aus- und eintragen müssen und das gleiche gibt es auch für das Wohnheim. Das meiste geschieht dabei nur auf dem Papier.

Es gibt zwar eine sehr gute online Plattform für die Kursinhalte und Foren. Gerade in der Verwaltung wird aber vieles noch mit Papier und Stift erledigt. Und dabei ist die Uni noch fortschrittlich.

Wer sich in Deutschland über Bürokratie beklagt, dem rate ich ein Trip nach Indien. In Deutschland kann man sich nämlich darauf verlassen, dass man bekommt was man will (auch wenn man mehrere Anträge ausfüllen muss etc.). In Indien ist das nicht unbedingt der Fall und oft bekommt man auch von verschiedenen Seiten unterschiedliche Auskünfte darüber was man tun muss. Man muss sich hier darauf einstellen, dass alles immer etwas unklar ist und es wenig explizite Auskünfte gibt.

Zudem stellt sich vieles relativ spontan heraus. So hat sich heute auf Nachfrage der Austauschstudenten ergeben, dass wir bis morgen Abend eine Kursevaluation einreichen müssen. Bisher wurden wir dazu nicht von offizieller Seite aufgefordert und haben dazu auch keine Informationen erhalten, aber es wurde uns durch Studentenvertreter mitgeteilt. Oder man erfährt ein Tag vor einer Präsentation, dass die Präsentationszeit statt 15 Minuten nur 12 Minuten beträgt, weil 3 Minuten für Fragen angedacht sind (was aber vorher nicht erwähnt wurde).

Für einen Ausländer heißt das, dass man manchmal sehr viel Geduld oder Kraft aufbringen muss, aber man lernt auch mit der Zeit sich dem Lebensrhythmus anzupassen.

29.11.12 17:55
 


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