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Weihnachten unter Palmen

In den ersten beiden Wochen nach Semesterende (vom 09.12.-22.12.) war ich mit meinem Vater im Norden Indiens unterwegs.

Wir haben uns in Agra das Taj Mahal angesehen, in Amritsar den goldenen Tempel (das Heiligtum der Sikh) und die Städe Jodhpur, Udaipur und die Hauptstadt Delhi gesehen. Mein Vater ist dann rechtzeitig für Weihnachten nach hause zurückgekehrt, während ich eine norwegische Austauschstudentin in Delhi getroffen habe und wir uns auf den Weg in den Süden des Landes in die Regio Kerala gemacht haben. 

Kerala ist weniger bekannt für große Sehenswürdigkeit als für seine Landschaften. Die Region bildet den südwestlichen Küstenstreifen Indiens und ist für seine "backwaters" (ein System von kleineren und größeren Kanälen, dass sich über 100 von Kilometer erstreckt) bekannt. Selbst im Dezember hat es dort noch um die 30°C gehabt und wurde auch nachts nicht viel kühler. Kerala ist eine Region, die noch sehr stark von der Kolonialzeit geprägt ist. Es gibt dort vergleichsweise viele Christen und Weltentdecker wie Vasco da Gama haben dort gelebt und sind dort gestorben. 

Weihnachten wird von den meisten Indern natürlich nicht gefeiert. Aber zumindestens kommerziell bietet es einen Anlass für seine Produkte zu werben. Zudem sind die Inder froh um jede Möglichkeit zu feiern und so war an Heilig Abend Feuerwerk zu hören und überall hat man (etwas kitschige) Weihnachsdekoration gesehen (vor allem in Form von großen leuchtend bunten Sternen).

So kam es, dass wir Heilig Abend auf der kleinen Veranda vor unserem gemieteten Cottage verbracht haben mit Linzertorte (die mir mein Vater von daheim mitgebracht hatte) und umgeben in der Dunkelheit von Palmen und Moskitos. Eine wirkliche Weihnachtsstimmung ist dabei aber trotzdem nicht aufgekommen. Der Gedanke, dass daheim Familie und Freunde rund um den Weihnachtsbaum (in Norwegen auch bei starker Kälte und Schnee) sitzen, erschien und beiden etwas unfassbar und irreal. Kleine Weihnachtsgeschenke haben wir trotzdem ausgetauscht.

In den folgenden Tagen waren wir dann ganz normal wieder als Touristen unterwegs. Bis auf oben genannte Weihnachtsdekoration lies auch nicht viel daran erinnern, dass daheim Weihnachten war. Die Weihnachtsfeiertage waren natürlich keine offiziellen Feiertage in Indien und so ging alles dort seinen gewohnten Gang. Obwohl es alles in allem kein richtiges Weihnachten war, werde ich es dennoch nicht so schnell vergessen.

5.1.13 17:02


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Indien

Seit ein paar Tagen bin ich nun wieder in Deutschland und so langsam gewöhne ich mich an die Kälte (zumindest im Vergleich zu Indien), leere Straßen, wenig Verkehr, gute Luft und den Weihnachtschmuck und -baum.

Während meiner Zeit in Indien habe ich mich hier auf meinem Blog zurückgehalten viel über die indische Kultur zu schreiben. Das hat seine Gründe. Der erste davon ist die Größe dieses Landes. Der zweite davon die Masse der Einwohner dort und damit verbunden die vielen verschiedenen Kulturen und Religionen, die dort leben. 

Indien ist mehr als 9 mal so groß oder größer als Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, die Benelux-Länder, Schweiz und Österreich. Man stelle sich vor West-Europa wäre ein Land. Und genauso wie diese Länder kulturell unterschiedlich sind, gibt es auch sehr große Unterschiede in Indien. Es gibt 18 offizielle Sprachen und über 300 anerkannte Dialekte. Die zwei offiziellen Amtssprachen Englisch und Hindi sind davon nur ein Bruchteil. Ob jemand in Indien aus dem Norden, Nord-Osten oder Süden des Landes kommt lässt sich oft schon relativ leicht an der Hautfarbe und dem Aussehen der Menschen erkennen. Der Vereinigungsprozesse der EU über Jahre hinweg steht im Gegensatz zu der Gründung des modernen Indiens als ein Land vor mehr als 60 Jahren. 

Indien ist ein geographisch, kulturell, sozial und wirtschaftlich sehr diverses Land. Wenn man bereits den "typischen Deutschen" beschreibt muss man starkt vereinfachen. Daher finde ich es schwierig über Indien oder "die Inder" eine Aussage zu treffen. Was das Land zusammen hält ist die grundsätzliche Toleranz anderer Religionen und Herkünfte die jedem Inder mit auf den Weg gegeben wird. Es kommt immer wieder zu (auch gewaltsamen) Konflikten zwischen Hindus und Muslimen und es gibt einige regional-nationalistische Parteien, die gegen die Profite ausländerischer Firmen wettern und die (teilweise) Muslime gerne als Bürger zweiter Klasse behandeln. Diese Strömung findet man aber nicht auf nationaler Ebene stark vertreten und Fremdenhass findet man in diesem Land alles in allem sehr selten. Es gibt auch einige Strömungen, die für eine verstärkte oder komplette Autonomie ihrer Regionen werben. Momentan sind diese Bewegungen aber (noch) nicht sehr stark. Indien ist sicherlich keine Musterdemokratie und mit dem Rechtsstaat ist es noch ein langer Weg (wie die jüngste Vergewaltigung einer Studentin gezeigt hat), aber es ist schon ein kleines Wunder, dass dieses Land seit seiner Gründung nicht weiter auseinandergefallen ist.

Der Blick in Indien richtet sich vor allem zum großen Nachbarn China hin. Der Westen mit Europa und den USA sind zwar wichtig für die Weltpolitik und als Wirtschaftspartner, aber der Vergleich wird immer mit den Chinesen gezogen. Ein Ausdruck dafür ist, dass man an der Grenze mit dem Schild begrüßt wird "Willkommen in der größten Demokratie der Welt". Beide Ländern war vor 50 Jahren eher unbedeutend für ihre Größe im Weltgeschehen und der Lebensstandard war weit hinter den westlichen Ländern zurück. In den letzten 20 Jahren habe beide Länder jedoch ein beinahe ungebrochenes Wirtschaftswachstum erlebt. China ist in der Entwicklung Indien dabei aber in den letzten Jahren deutlich enteilt. Das Pro-Kopf-Einkommen in China ist höher wie in Indien, es gibt weniger Arbeitslose, die Armutsrate ist geringer (wobei es in beiden Ländern noch starke Unterschiede gibt und auch viele arme Gegenden), die Alphabetisierungsrate ist höher.

Die Liste der Gründe für diesen Unterschied in der Entwicklung ist lang. Sie reicht von den unterschiedlichen historischen Einflüssen, dem politischen und gesellschaftlichen System und der Wirtschaftspolitik bis hin zu den geographischen und kulturellen Unterschieden. Letzteres zeigt sich darin, dass die ethnische Diversität in Indien um einiges größer ist als in China. In China sind 90% der Bevölkerung Han-Chinesen während mit 72% die Indoarier in Indien die größte Bevölkerungsgruppe unter vielen darstellt.

Was jedoch viele Inder vereint ist, dass sie eine relativ große Gelassenheit an den Tag legen und der Alltag viel weniger strukturiert ist wie bei uns. Das zeit sich an Kleinigkeiten wie der Pünktlichkeit zu ausgemachten Treffpunkten oder das Fristen für die Abgabe von Projekten in der Uni regelmäßig verschoben wurden bzw. die meisten Professoren eine Abgabe nach der Frist nicht als tragisch empfunden haben. Der Inder lebt mehr in den Tag hinein und denkt weniger darüber nach was morgen sein könnte. Das Leben gelingt dort eher nach dem Motto "man muss die Dinge nehmen wie sie kommen". Für unser eins endet diese Haltung oft im scheinbaren Chaos oder wird als Faulheit gewertet. Für ein Land, indem viele Menschen nicht wissen, ob sie den morgigen Tag überleben und oft heftigen Extremen ausgesetzt sind (von Monsoonregen bis hin zu größter Trockenheit und Hitze) ist es vielleicht nicht die schlechteste Mentalität.

Das andere prägende Element Indiens ist die Masse seiner Einwohner. Bei 1,3 Mrd Einwohner muss man wirklich sehr lange suchen, bis man einen Ort gefunden hat an dem man wirklich alleine und für sich ist. So etwas wie Privatsphäre gibt es kaum oder gar nicht. Das macht die Inder sehr offen für einander und es gibt eine starke Gruppendynamik. Auch die Familiengemeinschaft steht dort viel stärker im Vordergrund als bei uns. Eine Psychologieprofessorin hat gemeint, dass die Inder nicht in der Lage wäre impersonale Beziehungen zu führen. Denn man wird von Fremden auf der Straße schon einmal gerne mit (für uns) relativ persönlichen Fragen gelöchert: Was man von Beruf sei, wie viel man verdiene, ob man verheiratet sei und Kinder habe, wie alt diese wären etc. Für die Inder ist dies keine Aufdringlichkeit, sondern sie sind gewöhnt daran, dass es kaum Geheimnisse gibt. 

Eine weitere Folge der Masse der Bevölkerung ist, dass sich aber auch eine gewisse Ellenbogenmentalität entwickelt hat. Egal ob es um den Arbeitsplatz, die Fahrkarte für den Zug, den Sitzplatz im Zug oder teilweise das Essen geht, in diesem Land hat man immer vielmehr Konkurrenz als in Europa. Dies wird dadurch verschärft, dass die Resourcen meistens auch noch knapp sind. Es gibt zum Beispiel zwar ein relativ breites Angebot an Zügen, aber in Relation zu den potenziellen Passagieren ist das Angebot zu gering. Züge sind sehr schnell ausgebucht und es gibt oft Wartelisten für Fahrkarten. Mit dem Job ist es ähnlich. Wirklich gutbezahlte Jobs gibt es wenige im Vergleich zu den Arbeitssuchenden. Daher ist es für die Studenten um einiges wichtiger an einem Institut mit sehr gutem Ruf zu studieren. Die Bewerber zu Aufnahmequote für das IIMC liegt bei 300:1. Weniger als 1% aller Studenten, die die Aufnahmeprüfung ablegen, werden am Ende tatsächlich an die Universität aufgenommen.

Wer in diesem Land etwas will, der lernt, dass er selbst dafür sorgen muss es zu bekommen und nicht darauf warten kann, dass es ihm jemand gibt. Im Unterricht für das dann zum Beispiel dazu, dass mündliche Beiträge von Studenten einfach in den Raum hineingeredet werden ohne auf eine Aufforderung vom Professor zu warten und manchmal auch ohne Rücksicht darauf ob ein anderer Student gerade redet. Der Konkurrenzkampf ist am IIMC noch einmal um einiges höher als in Mannheim. Dies liegt auch daran, dass die Studenten direkt um die gleichen Stellen konkurrieren. Jedes Jahr kommen Firmen mit Jobangeboten für die Absolventen auf den Campus. Sich direkt bei einer Firma außerhalb der Universität zu bewerben ist ziemlich aussichtslos. Daher ist man zunächst mit den anderen Studenten in Konkurrenz von einer Firma zum Bewerbungsinterview eingeladen zu werden und danach mit den anderen Bewerbern um 1 oder mehrere Stellenangebote der gleichen Firma. Man freut sich zwar für diejenigen die ein Angebot letzten Endes bekommen, aber der- oder diejenige ist auch gleichzeitig ein Konkurrent.

5.1.13 16:43


Weihnachten

Ich wuensche euch allen frohe und entspannte Weihnachten in Batznehaeusle, Buchholz, Denzlingen, Freiburg, Buehl, Landau, Mannheim, Mainz, Aachen, Peru, Argentinien, Bolivien, Ecuador und im Rest der Welt :-). Meine eigene Heimkehr wird sich allerdings etwas verfruehen. Ich bin statt ab dem 10. Januar bereits ab dem 01. Januar wieder in Deuschland. Grund sind die etwas komplizierten Buerokratievorgange, die noetig gewesen waeren um mein Visa verlaengern zu lassen wie zu erst geplannt. Das Semester hat vor 2 1/2 sein Ende gefunden. Zum Ende hin war es noch sehr anstrengend und die Zeit ging auch sehr schnell vorbei. Seitdem bin ich in Indien unterwegs und bin auch deshalb nicht viel zum Bloggen gekommen. Die Eindruecke dieser Reise und einige weitere Erfahrungen aus Indien werde ich dann noch nachreichen. Bis dahin wuensche ich euch allen einen guten Jahreswechsel und hoffe viele von euch bald in 2013 wiederzusehen!
25.12.12 17:27


aus dem indischen Studentenalltag

Hier ein paar Eindrücke aus meinem Alltag an der Uni und im Wohnheim:

Im Wohnheim ist eigentlich immer jemand wach. Nachts zwischen 12 und 2 Uhr auf einem laut Musik zu hören (dass man meint direkt neben dem Lautsprecher zu stehen) oder schreiende Leute zu hören ist hier ganz normal. Man wird ab und zu auch mal morgens mit house oder techno Tönen aufgeweckt. Was wir eine gute Erziehung nennen (und ein Mindestmaß an Rücksicht auf andere zu haben) scheint den Indern zu fehlen, aber sie auch unter einander nicht groß zu stören.

Eines der beliebtesten Sprüche-T-Shirt (und davon findet man hier einige) lautet "Deadlines are sacrosant" (was so viel heißt wie Firsten sind hochheilig). Das Ganze ist aber eher ironisch gemeint. Wenn der Dozent hier einen bestimmten Tag zur Abgabe einer bestimmten Arbeit oder dem Halten einer Präsentation nennt, dann heißt das meistens, dass man auch noch ein oder zwei Tge später seine Arbeit abgeben kann ohne dafür groß eine Bestrafung fürchten zu müssen.

Gruppenarbeiten können hier eine recht negative Erfahrung sein, aber auch ganz gute Ergebnisse bringen (je nach Engagement der Beteiligten). Der Fokus ist allerdings etwas anders hier. Präsentationen haben meistens keine Gliederung oder offentsichtliche Struktur und die Konzetration liegt eher auf einzelnen Punkten und der Zusammenhang ist nicht immer offensichtlich. Im Vordergrund steht eher der Fluss, was sich auch gut an der schnellen Sprache der Inder festhalten lässt, die meistens Wörter verschluckt oder nur halb ausspricht (was es etwas schwierig macht dem Argument zu folgen).

Die Qualität der Präsentationen - vom Inhalt und von der Art der Vortragenden - ist nicht sehr hoch, was allerdings auch daran liegen kann, dass die Noten für die indischen Studenten nun nicht mehr sehr wichtig sind. Die Bewerbungen für die placement (Vergabe der Festanstellungen nach dem Studium) läuft bereits.

Insgesamt ist das System hier sehr leistungsbezogen (noch stärker als in Mannheim) und es herrscht ein großer Wettbewerb unter den Studenten. In einem Land mit 1,3 Mrd Einwohnern gibt es im Prinzip nie genug Arbeitsplätze und die Konkurrenz ist massig. Das führt dann auch schon einmal dazu, dass in Fächern mit mündlicher Mitarbeitsnote (ja ein bisschen wie in der Schule) eher die Quanität als die Qualität im Vordergrund steht. Oft werden nur halbgeraten Stichwörter in den Raum geworfen um den Anschein zu ergeben etwas zu wissen.

Die Studenten hier gehören aber eindeutig zu den begabtesten und intelligentesten im Land. Das ergibt dann oft auch gute Diskussionen und Einfälle.

Der Unialltag wäre auch nichts ohne die vielen Unterschriften, die man abgeben muss. Zum Einen muss man in jedem Kurs seine Anwesenheit durch eine Unterschrift bezeugen, da man nur eine bestimmte Anzahl an Vorlesungen verpassen darf. Zum anderen gibt es für alles Bücher. Wenn man den Campus verlässt muss man sich mit Name, Nummer, Handynummer, Zimmernummer, Ort und Grund für das Verlassen austragen. Es gibt ein STEP Register, in dem sich die Ausstauschstudenten zu Beginn und nun zum Ende des Semesters aus- und eintragen müssen und das gleiche gibt es auch für das Wohnheim. Das meiste geschieht dabei nur auf dem Papier.

Es gibt zwar eine sehr gute online Plattform für die Kursinhalte und Foren. Gerade in der Verwaltung wird aber vieles noch mit Papier und Stift erledigt. Und dabei ist die Uni noch fortschrittlich.

Wer sich in Deutschland über Bürokratie beklagt, dem rate ich ein Trip nach Indien. In Deutschland kann man sich nämlich darauf verlassen, dass man bekommt was man will (auch wenn man mehrere Anträge ausfüllen muss etc.). In Indien ist das nicht unbedingt der Fall und oft bekommt man auch von verschiedenen Seiten unterschiedliche Auskünfte darüber was man tun muss. Man muss sich hier darauf einstellen, dass alles immer etwas unklar ist und es wenig explizite Auskünfte gibt.

Zudem stellt sich vieles relativ spontan heraus. So hat sich heute auf Nachfrage der Austauschstudenten ergeben, dass wir bis morgen Abend eine Kursevaluation einreichen müssen. Bisher wurden wir dazu nicht von offizieller Seite aufgefordert und haben dazu auch keine Informationen erhalten, aber es wurde uns durch Studentenvertreter mitgeteilt. Oder man erfährt ein Tag vor einer Präsentation, dass die Präsentationszeit statt 15 Minuten nur 12 Minuten beträgt, weil 3 Minuten für Fragen angedacht sind (was aber vorher nicht erwähnt wurde).

Für einen Ausländer heißt das, dass man manchmal sehr viel Geduld oder Kraft aufbringen muss, aber man lernt auch mit der Zeit sich dem Lebensrhythmus anzupassen.

29.11.12 17:55


Bodhgaya und Varanasi

Bodhgaya ist eine der heiligsten Städte in Indien für die Buddhisten. An diesem Ort soll Buddha unter einem Baum zu seiner Erleuchtung gefunden haben. Ein Abzweig des ursprünglichen Baums steht auch noch dort und darum hat sich eine weiter Tempelanlage gebildet. Der Baum ist Magnet für Touristen und viele Pilger. Überall um den Baum herum haben Menschen ihre Matten ausgebreitet und beten.

Im Gegensatz zu unseren Kirchen kann man in den Tempeln hier meistens relativ freizügig Fotos machen und im Tempelgelände darf auch gegessen und getrunken werden. Mit der andächtigen Stille - neben den Gebeten - wird es hier auch nicht so genau genommen (vor allem wenn sich die großen Reisegruppen durch die Anlage bewegen). 

Bodhgaya hat sich etwas zur Hauptstadt des Buddhismus entwickelt, denn man sieht überall Tempel verschiedener buddhistisch-nationaler Glaubsbewegungen (ein Tempel der thailändischen oder japanischen Buddhisten etc.). Zudem ist eine ca. 24 m hohe Buddha Statue zu bewundern, die der Dalai Lama höchst persönlich vor 2 Jahren eingeweiht hat. 

Buddha selbst hat übrigens immer wieder betont, dass er nur ein Mensch und kein Gott sei. Davon ist allerdings nun nicht mehr viel zu spüren. Die goldenen Buddha-Statuen schmücken die meisten der Tempel hier.

Wenn man sich etwas außerhalb des Ortes bewegt (es ist eher ein großes Dorf) dann findet man noch verschiedene weitere wichtige Stellen in Buddas Wg zur Erleuchtung. Er hat sich zu erst auf einen Berg zurükgezogen und versucht dort durch Fasten und ein sehr sehr asketisches Leben (indem er nichts mehr gegessen hat) zur Reinheit und Weisheit zu finden. Durch eine Frau, die im Essen angeboten hat (nach 6 Wochen ohne Nahrung) hat es sich ihm dann offenbart, dass er einen moderateren Mittelweg finden muss. Soweit die Legende.

200 Kilometer (oder 5 indische Zugstunden) von Bodhgaya entfernt liegt die Stadt Varanasi am Ganges. Varanasi gehört zu den sieben heiligen Städten am Ganges. Wer in Varanasi stirbt und im Ganges bestattet wird, der gelangt sofort in das Moksha (die Erlösung) und entrinnt dem Zyklus der Reinkarnation. Zudem hilft das Baden im Ganges das eigene Karma (das Guthaben an guten Taten) aufzubessern.

Ganz grob lässt sich die Stadt in zwei Teile aufteilen. Die Ghats (Steinstufen die zum Ganges hin abfallen) und den Stadtkern. Beide können sehr unterschiedlich sein. Die Stadt an sich ist sehr indisch (staubige Straßen, viele viele kleine Geschäfte und Händler auf der Straße, zu viele Autos, Menschen und Tiere). Die Ghats verstrühen dagegen teilweise eine andere, mehr melancholische und andächtige Stimmung. Das ist vor allem für die Ghats wahr, bei denen die Verbrennungen stattfinden.

Bei der Verbrennung wird der Leichnam auf einen Holzhaufen gelegt und die Verwandten legen Gaben (Essen oder andere Artikel) bei und dann wird das Holz angezündet. Dabei sind nur Männer zu sehen und es gibt auch keine großen Gefühlsausbrüche. Vor der Verbrennung wird noch das Holz gewogen um den Wert des Toten festzustellen. Denn je nach Reichtum des Verstorbenen/Hinterbliebenen können sie sich unterschiedliche Holzsorten leisten. 

In Varanasi gibt es zudem eine deutsche Bäckerei, die tatsächlich von einem deutschen Besitzer geführt wird (oft liest man hier "German Bakery", aber dahinter verbirgt sich dann nicht wirklich eine Bäckerei in unserem Sinne). Dadurch gab es zum Abendessen Züricher Geschnetzeltes, Käsefondue und richtiges Brot. Der Besitzer hat uns erzählt, dass er ursprünglich mit einem indischen Partner das Geschäft aufgemacht hat. Dieser hat aber Spendengelder (die sie für die Finanzierung einer ländlichen Schule für Behinderten gedacht hatten) für den Ankauf von Hotels genutzt hat. Von diesem Partner hat er sich nun getrennt, aber hin zu verklagen scheint zwecklos. Zum einen schmiert er die örtliche Polizei, zum anderen dauert so ein Prozess hier gut und gerne 10 Jahre und der Ausgang ist sehr ungewiss.

29.11.12 17:19


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